Looksmaxxing ist langweilig

von lilian ena meow-meow

Seit ein paar Monaten gibt es einen neuen Social Media Trend, der es auf jeden Fall in die Kategorie „auf keinen Fall selber nachmachen“ schafft: Looksmaxxing. Sich mit teils noch harmlosen, teils aber auch sehr schmerzvollen Methoden möglichst schön zu machen. Was ist das Ziel? Möglichst attraktiv aussehen und dadurch Frauen anziehen. In der Looksmaxxing-Community denkt man, dass das einzige, was Männer machen können, um Frauen anzuziehen, entweder Geld haben oder gut aussehen ist. Allerdings ist das nicht nur eine extrem radikale, sexistische Weltansicht, sondern sorgt das auch für mentale und psychische Schäden bei jenen, die das praktizieren.

Was ist das Gefährliche an Looksmaxxing?

Man unterscheidet zwischen zwei Arten, sein Aussehen zu verändern: Hardmaxxing und Softmaxxing. Zweiteres umfasst dabei harmlose Methoden. Dazu gehört Make-Up auftragen, Cremes ins Gesicht schmieren oder auch ins Gym zu gehen, um einen definierteren Körper zu bekommen, solange es natürlich im Rahmen bleibt und nicht schädlich ist.
Schädlich kann nämlich ersteres sein: Hardmaxxing. Zwei Methoden dieser Kategorie fasse ich hier kurz zusammen:

Lemon Bottle:
„Lemon Bottle“ ist ein Produkt, das für eine sogenannte „Fettwegspritze“ verwendet wird. Die Idee ist, dass man sich den Inhalt dieser Flasche spritzt, um so häufig im Gesicht oder auch an anderen Körperstellen das Fett zu entfernen und der Haut mehr Struktur zu geben. Das Problem: es ist nicht bewiesen, dass es funktioniert. Das schweizerische Heilmittelinstitut schreibt dazu: „Eine medizinische Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt, die Qualität der Inhaltsstoffe ist nicht geprüft und die Anwendung kann demzufolge ein Gesundheitsrisiko sein.“
Viele Nutzer spritzen sich dieses Mittel, obwohl es nicht mal zu 100% funktioniert und gleichzeitig auch Entzündungen o. ä. auftreten können.

Bone-Smashing:
„Bone-Smashing“ ist genau das, wonach es sich anhört: Knochen brechen. Man nimmt dazu einen kleinen Hammer her und schlägt sich damit zum Beispiel an den Kiefer, um eine markantere, kantigere Jawline zu bekommen. Die Idee ist, dass man Mikrofrakturen im Knochen auslöst, der dann im Heilprozess „schöner“ wird. Auch hier ist das Problem, dass die Realität nicht so ist, wie sich es viele Vorstellen. Es funktioniert schlichtweg nicht so, sagt auch der Arzt Christoph Specht dem ZDF: „Im schlimmsten Fall endet das mit Brüchen, Nervenschäden oder bleibenden Deformierungen.“
Es können chronische Schmerzen, Asymmetrien, Nervenschäden, Blutergüsse und noch vieles mehr die Folge solch einer „Behandlung“ sein. Ist es das wirklich wert?
Schließlich ist noch eine Methode sich größer zu machen aufgekommen, die mir am skurrilsten und gefährlichsten scheint: man lässt sich in einer Operation die Beine brechen und über einen langen Zeitraum in die länge ziehen. Das ist, wie man es sich vorstellen kann, sehr schmerzhaft und man gewinnt letztendlich nur ein paar wenige Zentimeter für massenhaft Geld und sehr viel Leid.

Fazit

Looksmaxxing ist letztendlich ein Begriff, der das Verbessern der eigenen Schönheit beschreibt. Das ist in meinen Augen prinzipiell nichts Schlechtes. Es darf Aspekte geben, die einen am eigenen Körper stören, sie dürfen nur nicht die Überhand des Selbstbewusstseins nehmen. Man darf abnehmen, man darf sich Make-Up auftragen, man darf sich Cremes ins Gesicht schmieren. Man sollte aber nicht in einen Zustand verfallen, in welchem man glaubt, dass ich meinen Körper perfektionieren muss. Das geht nämlich gar nicht. Der Mensch und Perfektion sind zwei Sachen, die nicht miteinander funktionieren, niemand kann perfekt sein. Deswegen ist auch das Streben danach so schädlich für die mentale Gesundheit, weil man ein unerreichbares Ziel erreichen will.
Das ist auch das Problem der Influencer, die das Hardmaxxing fördern: sie glauben an eine objektive Schönheit, gemessen an Symmetrie, Definition des Körpers, Gewicht etc.
Schönheit ist aber subjektiv: jeder hat andere Vorlieben andere Geschmäcker, individuelle Vorzüge. In Zeiten von KI, welche versucht durch die Kopie von bereits existierenden Inhalten beispielsweise die perfekte Kunst zu erstellen, soll und darf der Mensch nicht seine Individualität verlieren. Wie sieht denn die Welt aus, wenn wir alle die gleichen symmetrischen, trainierten, definierten Körper haben? Langweilig, traurig, ernüchternd. Was den Menschen besonders macht, ist seine Individualität. Das erstreckt sich vom Aussehen bis zu seinen Vorlieben. Looksmaxxing will aber genau das Gegenteil erreichen.
Eine „perfekte“ Welt in der alle genau „toll“ gleich aussehen. Die einzigen die aber davon profitieren sind Influencer und Unternehmen, die diese Hardmaxxing Methoden bewerben und Produkte dazu verkaufen. Die Menschheit hat nichts davon, wenn sich alle an einander anpassen. Sie hat was davon, wenn sie der Individualität freien lauf lässt und nicht probiert sich in ein Ideal reinzupressen, das sie nicht erreichen kann.
Falls du an extremer Unzufriedenheit mit deinem Körper leidest und vielleicht sogar schon eine der genannten gefährlichen Methoden in Erwägung gezogen oder auch schon probiert hast, gibt es immer Anlaufstellen, bei denen du dich melden kannst, zum Beispiel unter folgendem Link:
https://www.schoen-klinik.de/koerperdysmorphe-stoerung-jugendliche/behandlung

Autor: Basti Pfeiffer