von Andi
Ja. Ab 18 Jahren. Ohne Parteibuch. Ohne Vorwissen. Ohne irgendjemanden zu kennen. Und du wärst damit nicht der erste junge Mensch im Landkreis Miesbach, der diesen Schritt gewagt hat.
Klingt unrealistisch? Ist es nicht. Hier ist beschrieben, wie das tatsächlich funktioniert.
Das passive Wahlrecht – also das Recht, gewählt zu werden – gilt in Bayern für alle, die:
Mehr braucht es formal nicht. Kein Abitur, kein Studium, kein bestimmter Beruf, kein Mindestalter jenseits der 18 Jahre – nichts davon ist Voraussetzung. Wer wählen darf, darf auch kandidieren.
Eine Einzelkandidatur gibt es in Bayern nicht. Du brauchst eine Partei oder eine Wählergruppe, die dich auf ihre Liste nimmt. Das klingt nach einer hohen Hürde – ist es aber weniger, als man denkt. Denn eine Wählergruppe kann auch eine ganz neue, lose Gruppe sein, die sich eigens für eine Wahl zusammenfindet.
Im Landkreis Miesbach gibt es neben CSU, Grünen, SPD und Freien Wählern in vielen Gemeinden lokale Wählergruppen, die genau so entstanden sind: aus dem Impuls heraus, dass eine Gruppe von Menschen ihr Dorf oder ihre Stadt konkret mitgestalten wollte – ohne großes Parteigerüst dahinter.
Sei ehrlich mit dir: Ein Mandat im Gemeinderat ist kein Ehrenposten, den man mal nebenbei macht. Die Sitzungen sind öffentlich, regelmäßig und können lang werden. Es gibt Unterlagen, die gelesen werden wollen. Und du triffst Entscheidungen, die echte Konsequenzen für echte Menschen haben.
Gleichzeitig: Du musst keine Expertin oder kein Experte für alles sein. Gemeinderat ist Ehrenamt – die meisten Menschen, die dort sitzen, sind Handwerker, Lehrer, Eltern oder Selbstständige. Was zählt ist Interesse an der eigenen Gemeinde, Bereitschaft zuzuhören, und der Wille, Dinge voranzubringen.
Genau dasselbe wie für alle anderen auch: Man bekommt einen Sitz, nimmt an Sitzungen teil, kann Anträge stellen, diskutiert mit – und hat eine Stimme. In manchen Gemeinden sitzen Menschen unter 25 Jahren im Rat. Das ist ungewöhnlich, aber nicht verboten. Und es verändert die Diskussionskultur – weil plötzlich jemand am Tisch sitzt, der den Alltag als junger Mensch im Landkreis kennt.
Wenn du ernsthaft überlegst, irgendwann zu kandidieren: Schau dir jetzt die laufende Kommunalwahl an. Geh zu einer Gemeinderatssitzung. Schreib jemanden an, der bereits kandidiert oder im Rat sitzt. Das Jugendparlament Miesbach ist ein guter Einstieg – es funktioniert ähnlich, aber ohne die formalen Hürden einer Kandidatur.
Und falls du nach der Wahl am 8. März immer noch das Gefühl hast, dass da irgendjemand fehlt am Tisch – vielleicht bist du das, 2032.
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